Nachruf

Nachruf

Ein sehr geschätzter Kollege ist von uns gegangen, Prof. Dr.-Ing. habil. Dieter Radaj (1935 – 2025). Er promovierte und habilitierte an der Technischen Universität Braunschweig, an der er auch als außerplanmäßiger Professor für die Festigkeitslehre tätig war. Bei der DaimlerChrysler AG, Stuttgart, leitete er zunächst die „Festigkeitsberechnung“ und wechselte dann zur „Forschung und Technik“ als Senior Research Manager, bis er im Jahre 2000 in den Ruhestand ging. Als wissenschaftlicher Autor war er durch zahlreiche Zeitschriftenaufsätze und folgende ingenieurwissenschaftliche Fachbücher in der Festigkeitslehre und Technischer Mechanik, die teilweise auch als chinesische Ausgabe vorliegen, international bekannt geworden:

  

  

Insbesondere in seiner Zeit als Leiter des Fachausschusses „Konstruktion und Fertigung“ des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik und verwandte Verfahren e. V., Düsseldorf, in den 1990er Jahren, wurden die neuzeitlichen Konzepte der modernen Schweißnahtauslegung (Strukturspannung, Kerbgrund, Bruchmechanik) verfeinert und regelwerksfähig gemacht. Aufgrund seines enormen Fachwissens verlieh ihm der Deutsche Verband für Materialforschung und -prüfung e.V. (DVM) im Jahr 2004 die Erich-Siebel-Gedenkmünze, die höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Materialforschung, die der DVM zusammen mit der Europäischen Gesellschaft für Blechverarbeitung EFB vergibt. Dieter Radaj schloss mit wissenschaftlich-technischen Fragestellungen allmählich ab und beschäftigte sich in den 2000er Jahren immer mehr mit politischen, philosophischen und theologischen Fragen der Gegenwart, die in folgenden Büchern mündeten: 

  

  • Philosophische Grundbegriffe der Naturwissenschaften (wbg academic)
  • Weltbild in der Krise: Naturwissenschaft, Technik und Theologie – Ein Auswegweiser (Oecom)
  • Buddhisten denken anders –  Schulen und Denkwege des traditionellen und neuzeitlichen Buddhismus (Ludicium)
  • Weischedels Minimaltheologie im Spiegel der Sprachkunst: Bausteine zu einer zeitgemäßen Gotteslehre (Echter)
  • Vier Meditationen zum Gottesbegriff (wbg Academic)
  • Spinozas und Einsteins apersonaler Gottesbegriff: Ursprung, Folgen und Überwindung (wbg Academic)

  

Er war immer sehr wach, wissbegierig, offen für Neues, hörte immer genau zu und sagte auch stets sehr offen seine Meinung. Dieser Zug passte nicht jedem, aber seine Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit waren beeindruckend. Er ließ sich ebenfalls vom Gegenteil überzeugen, wenn es argumentativ stimmte. Er wird uns als vielseitiger Lehrer, Kollege und Ratgeber sehr fehlen.

 

16.02.2026
Prof. Dr.-Ing. C. M. Sonsino, Darmstadt