Nachruf auf Prof. Dr. Hans Albert Richard

Nachruf auf Prof. Dr. Hans Albert Richard

Der DVM trauert um Prof. Dr. Hans Albert Richard, der am 2.3.2026 im 76. Lebensjahr verstorben ist.

Prof. Richard engagierte sich für den DVM als Vorsitzender von 2016-2019, als Obmann des Arbeitskreises Bruchmechanik von 2000-2003 und war Gründungsobmann des Arbeitskreises additive Fertigung von 2016-2018. In diesen Funktionen hat er sich mit seiner Menschlichkeit, Kollegialität und Beharrlichkeit für die Ziele des DVM in vorbildlicher Weise engagiert.

 

Hans Albert Richard hat eine Berufsausbildung als Maschinenschlosser absolviert und von 1968-1974 Maschinenbau in Frankfurt Main und an der Universität Kaiserslautern studiert. Mit dieser Ausbildung legte er die Grundlagen für seine praktische und anwendungsorientierte Herangehensweise an wissenschaftliche Fragestellungen. Sein akademischer Werdegang begann 1974 in Kaiserslautern bei Prof. Hans-Georg Hahn, wo er 1979 promovierte und 1984 im Fach Technische Mechanik habilitierte. In dieser Zeit muss er seine Liebe zu den Rissen und der Bruchmechanik entdeckt haben. Seine Habilitationsschrift gilt heute als Meilenstein der Mixed-Mode Bewertung von Rissen - ein Gebiet auf dem er Zeit seines Lebens gearbeitet hat.

 

1986 wurde Hans Albert Richard zum Professor für technische Mechanik berufen und übernahm die Leitung der Fachgruppe Angewandte Mechanik der Universität Paderborn. Seine mehrjährige Tätigkeit als Dekan (1989-1991) und als Rektor der Universität (1991-1995) zeigte, dass er nicht nur wissenschaftlich arbeiten und lehren, sondern auch das akademische Umfeld positiv gestalten wollte. Seine Forschungsschwerpunkte lagen auf dem Gebiet der festigkeitsoptimierten und bruchsicheren Gestaltung von Bauteilen und Strukturen. Aufgrund seines engen Bezugs zur Praxis wirkte er an der Aufklärung technischer Schadensfälle mit, wie z.B. dem ICE-Unfall 1998 in Eschede. 

 

Mehr als 300 Fachpublikationen künden von seiner fruchtbaren Arbeit. 

 

Seine Leistungen auf dem Gebiet der Bruchforschung wurden 2004 von der Europäischen Bruchgesellschaft ESIS mit der Griffith-Medaille und 2006 mit der Wöhler-Medaille des DVM gewürdigt.

 

Hervorzuheben ist die enge Verknüpfung zwischen experimenteller Arbeit und theoretischer Durchdringung. Als „Vater des Mixed-Mode“ hat er mit seinem Vergleichsspannungsintensitätsfaktor einen für Ingenieure gangbaren Weg in die Welt der Rissausbreitung unter komplexen, mehrachsigen Belastungszuständen bereitet, der heute noch Anerkennung findet. Doch damit nicht genug: Mit der ausgeklügelten Entwicklung geeigneter Bruchmechanikversuche konnten die Mixed-Mode Konzepte durch Messungen überprüft werden. Dieser anwendungsorientierte Ansatz hat die gesamte wissenschaftliche Arbeit von Prof. Richard geprägt.

 

Dem Arbeitskreis Bruchvorgänge des DVM war Prof. Richard seit 1979 verbunden. Viele Veröffentlichungen auf den jährlichen Tagungen des Arbeitskreises legen davon Zeugnis ab. Die fachlichen Diskussionen im AK Bruch zwischen den unterschiedlichen wissenschaftlichen Betrachtungsweisen und Schulen waren legendär, manchmal zeitaufwändig aber immer produktiv. Hier zeigten sich die ausgleichenden und integrativen Fähigkeiten unseres Obmannes Hans Richard ganz besonders.

 

Seine Aufgeschlossenheit in wissenschaftspolitischen Fragen zeigte sich während der deutschen Wiedervereinigung. Hier gehörte er zu den Ersten, die zu den ostdeutschen Fachkollegen in Halle, Magdeburg u.a. Kontakt aufnahmen und eine Zusammenarbeit anboten.

 

Prof. Richard hat die Lehre immer als seine zentrale Aufgabe begriffen und nach Wegen gesucht, die jungen Leute für die Ingenieurwissenschaften und speziell für die Bruchmechanik zu begeistern. Er hat mit seinen Erstsemestern Stadtrundgänge veranstaltet, bei denen er die Geschichte der Stadt mit Erklärungen zur Mechanik von Brücken und anderen Bauwerken verband und so die Entdeckerfreude der Studierenden weckte. Seine Vorlesungen waren beliebt, weil man etwas verstehen konnte und es nie langweilig wurde. In der Zeit als Hochschullehrer sind acht Fachbücher für Lehre und Praxis entstanden, die gern auch von den Fachkollegen weiterempfohlen werden. Die Nachwuchswissenschaftler seiner Arbeitsgruppe wurden von Prof. Richard stets fachlich und persönlich gefördert. Er betreute insgesamt drei Habilitationen sowie 27 Promotionen, von denen mehrere zu erfolgreichen akademischen Karrieren führten. Die Vergabe des Juniorpreises des DVM geht auf seine Initiative zurück.

 

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass Prof. Richard die höchste Stufe eines Bruchforschers erreicht hatte: Er konnte nicht mehr ohne Risse leben. Er hat sein berufliches Leben ganz der Weiterentwicklung der Bruchmechanik in Deutschland gewidmet, wofür wir im Dank und Anerkennung schulden.

 

Wir werden Prof. Hans Albert Richard immer in Erinnerung behalten: 

  • als hervorragenden Ingenieur und Wissenschaftler,

  • als fähigen Hochschullehrer,

  • als ungemein aufmerksamen Gesprächspartner und fröhlichen Menschen, der etwas bewegen wollte und angepackt hat. 

 

Wir werden ihn vermissen.

 

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Peter Hübner, Meinhard Kuna und alle im DVM

 


Meinhard Kuna und Hans Richard

 


Hans Richard 2014 mit den DVM-Geschäftsführerinnen Ingrid Maslinski (links) und Kathrin-Luise Leers

 


AK Bruch 2017 in Mittweida v.l.n.r. Michael Vormwald, Peter Hübner, Mauro Madia (Ehrung DVM-Ehrennadel in Silber), Hans Richard

 


50. Tagung AK Bruch 2018 in Paderborn

 

17.03.2026