
Ein sehr geschätzter Kollege ist von uns gegangen, Prof. Dr.-Ing. habil. Dieter Radaj (1935 – 2025). Er promovierte und habilitierte an der Technischen Universität Braunschweig, an der er auch als außerplanmäßiger Professor für die Festigkeitslehre tätig war. Bei der DaimlerChrysler AG, Stuttgart, leitete er zunächst die „Festigkeitsberechnung“ und wechselte dann zur „Forschung und Technik“ als Senior Research Manager, bis er im Jahre 2000 in den Ruhestand ging. Als wissenschaftlicher Autor war er durch zahlreiche Zeitschriftenaufsätze und folgende ingenieurwissenschaftliche Fachbücher in der Festigkeitslehre und Technischer Mechanik, die teilweise auch als chinesische Ausgabe vorliegen, international bekannt geworden:
Insbesondere in seiner Zeit als Leiter des Fachausschusses „Konstruktion und Fertigung“ des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik und verwandte Verfahren e. V., Düsseldorf, in den 1990er Jahren, wurden die neuzeitlichen Konzepte der modernen Schweißnahtauslegung (Strukturspannung, Kerbgrund, Bruchmechanik) verfeinert und regelwerksfähig gemacht. Aufgrund seines enormen Fachwissens verlieh ihm der Deutsche Verband für Materialforschung und -prüfung e.V. (DVM) im Jahr 2004 die Erich-Siebel-Gedenkmünze, die höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Materialforschung, die der DVM zusammen mit der Europäischen Gesellschaft für Blechverarbeitung EFB vergibt. Dieter Radaj schloss mit wissenschaftlich-technischen Fragestellungen allmählich ab und beschäftigte sich in den 2000er Jahren immer mehr mit politischen, philosophischen und theologischen Fragen der Gegenwart, die in folgenden Büchern mündeten:
Er war immer sehr wach, wissbegierig, offen für Neues, hörte immer genau zu und sagte auch stets sehr offen seine Meinung. Dieser Zug passte nicht jedem, aber seine Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit waren beeindruckend. Er ließ sich ebenfalls vom Gegenteil überzeugen, wenn es argumentativ stimmte. Er wird uns als vielseitiger Lehrer, Kollege und Ratgeber sehr fehlen.
Prof. Dr.-Ing. C. M. Sonsino, Darmstadt, 16.2.2026

Der langjährige Leiter der Betriebsfestigkeitsabteilung des Instituts für Werkstoff-Forschung am DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) ehemals DFVLR in Köln Porz-Wahn sowie des Fachgebiets Werkstofftechnik an der Gerhard Mercator Universität Duisburg, Professor Dr.-Ing. Horst Nowack, ist am 04. September 2024 im Alter von 83 Jahren verstorben. Als Dozent hat er zeitlebens maßgeblich dazu beigetragen, bei vielen Generationen von Studierenden, darunter auch uns, Begeisterung für die Werkstofftechnik zu entfachen. Als Mentor hat er uns auf unserem beruflichen Weg unterstützt und durch seine Neugier und wissenschaftliche Impulse gezeigt, dass man eigenes Wissen stets erweitern und verbessern kann.
Prof. Nowack war von 1984 bis 1993 Obmann des Arbeitskreises Betriebsfestigkeit und damit Kraft Amtes Mitglied im Beirat des Deutschen Verbandes für Materialprüfung und -forschung (DVM). In dieser Zeit hat er sich um die Fachtagung Low Cycle Fatigue verdient gemacht und die Fachtagung Fatigue 1998 in Berlin maßgeblich mitgestaltet. Als einer der wenigen Forscher widmete er sich sowohl den Gebieten der Schwingfestigkeit als auch der Bruchmechanik (Kurz- und Langrisswachstum). Mehrachsige Beanspruchungen und Reihenfolgeeffekte unter zyklischer Belastung bildeten seine Forschungsschwerpunkte. Wir verabschieden uns mit Dankbarkeit von einem inspirierenden Forscher.
Prof. Roel Marissen, Dr. Jean-Jaques Masson, Prof. Claus Mühlhan, Prof. Thomas Kordisch und Dr. Michael Luke

Mit großer Trauer bedauern wir den Verlust von Helmut Naundorf, dem ehemaligen Mitglied und Vorstandsvorsitzenden des „Deutschen Verbandes für Materialforschung und –prüfung e.V.“, DVM.
Helmut Naundorf verstarb am 26. Dezember 2023 und hinterlässt eine bedeutende Lücke in der Verbandsgeschichtete des DVM und in der Automobilindustrie.
Geboren am 28. Mai 1936 in Darmstadt, hat Helmut Naundorf sein Leben der Betriebsfestigkeit in der Automobilindustrie und dem „Deutschen Verband für Materialforschung und –prüfung e.V.“ gewidmet. Nach dem Maschinenbau-Studium an der RWTH Aachen begann seine berufliche Karriere 1962 bei der Ford AG in Köln. 1967 wechselte er zur BMW AG in München. Hier leitete er die Hauptabteilung für „Betriebsfestigkeit und Werkstoffprüfung“ bis zu seinem Ruhestand 1996.
Schon während seiner Amtszeit bei BMW engagierte sich Helmut Naundorf für die Verbandsarbeit beim „Deutschen Verband für Materialforschung und –prüfung e.V.“ in Berlin. Von 1982 bis 1997 war er u.a. Mitglied des Arbeitskreises Betriebsfestigkeit und des DVM-Vorstands. Von 1997 bis 1999 leitete er den DVM als Vorsitzender. Insbesondere die Themen Technisches Marketing und die DVM-Nachrichten, die er 1995 ins Leben gerufen hatte, lagen ihm besonders am Herzen. Helmut Naundorf war nicht nur eine herausragende Führungskraft, sondern auch ein geschätzter Kollege und Mentor für viele in der Branche. Mit seiner langjährigen Erfahrung und seinem Fachwissen hat er maßgeblich zum Erfolg des DVM beigetragen und den Verband zu neuen Höhen geführt. Sein Erbe wird in den zahlreichen Projekten und Innovationen weiterleben, an denen er beteiligt war.
Wir werden Helmut Naundorf als einen außergewöhnlichen Menschen in Erinnerung behalten, der nicht nur beruflich, sondern auch persönlich viele Menschen beeinflusst hat. Sein Vermächtnis wird in der Automobilindustrie und im „Deutschen Verband für Materialforschung und –prüfung e.V.“ weiterleben und seine Leistungen werden von allen Mitgliedern des DVM nicht vergessen werden.
In diesen schweren Zeiten möchten wir den Angehörigen und Freunden von Helmut Naundorf unser aufrichtiges Beileid aussprechen. Mögen sie Trost und Stärke in den Erinnerungen an seine außergewöhnliche Persönlichkeit finden.

Am 16. Februar 2024 verstarb Herr Professor Dr.-Ing. Dietmar Aurich, Ehrenmitglied und ehemaliger Vorsitzender des DVM sowie Träger der Erich-Siebel-Gedenkmünze, in seinem 87. Lebensjahr. Geboren und aufgewachsen in Sachsen, verließ er seine Heimatstadt kurz nach dem Abitur und nahm 1955 sein Studium an der Fakultät für Bergbau und Hüttenwesen der Technischen Universität Berlin auf.
Mit seiner Arbeit Über die Korngrößenbestimmung von vielkristallinem Aluminium mittels Ultraschall promovierte Dietmar Aurich 1967 an der TU Berlin. Er war bereits seit 1962 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der damaligen Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin-Lichterfelde tätig. Dank seiner Fähigkeit und seines Engagements avancierte er rasch zum Laborleiter und wurde dann 1975 mit der Leitung der Abteilung 1 "Metalle und Metallkonstruktionen" betraut. Diese verantwortungsvolle Position leitete er mit großem Engagement, Weitsicht und äußerst erfolgreich bis zu seiner Pensionierung im Dezember 1999.
Den Höhenpunkt der wissenschaftlichen Karriere von Dietmar Aurich bildet seine langjährige Auseinandersetzung mit den Versagensmechanismen in metallischen Werkstoffen unter verschiedenen Belastungszuständen. Im Zentrum seines Interesses lagen die Ermittlung von Werkstoffkennwerten aus Laborversuchen mit Probekörpern und ihre Übertragung auf zuverlässige Regeln zur sicheren Dimensionierung von Bauteilen. Sein Buch "Bruchvorgänge in metallischen Werkstoffen", das 1978 erschien, ist ein Meilenstein in der Implementierung der Bruchmechanik in den deutschen Sprachraum. Sein anerkanntes Ansehen in der Fachwelt spiegelt sich in seiner langjährigen Tätigkeit in Gremien der Reaktorsicherheitsforschung sowie in der großen Anzahl von Gutachten mit großer sicherheitstechnischer Bedeutung, an denen er maßgeblich mitwirkte. Die enge Zusammenarbeit mit seinen Weggefährten – unter anderen Erwin Sommer (Freiburg) und Winfried Dahl (Aachen) sowie Horst Blumenauer (Magdeburg) und Heinz-Joachim Spies (Freiberg) – war für ihn nicht nur wissenschaftlich von Bedeutung, damit wollte er auf der menschlichen Ebene Brücken zwischen den damals noch getrennten deutschen Staaten schlagen.
Aufgrund seines breitgefächerten Wissens und seiner Fähigkeit, analytisch-kritisch zu denken und pragmatisch zu entscheiden, war Dietmar Aurich stets ein äußerst gefragter Gutachter unter anderen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG, für das Fachgebiet Werkstoffeigenschaften und Werkstoffmechanik, die seinen Rat bei einzelnen Forschungsanträgen sowie bei der Bewertung verschiedener Schwerpunktprogramme und Sonderforschungsbereiche einholte. Ebenfalls wurde er von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschung, AiF, und im Bewilligungsausschuss der Stadt Berlin als Gutachter für die F+E-Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen.
Mit seiner aufgeschlossenen Art und seiner ausgeprägten fachlichen Kompetenz war sein Rat an vielen Stellen gefragt. Ganz besonders im Deutschen Verband für Materialforschung und -prüfung, in dessen Arbeitskreis "Bruchvorgänge" er besonders prägend wirkte. Dietmar Aurich gehörte lange Jahre dem Vorstand an, übernahm von 1983 bis 1987 die Funktion des Vorsitzenden und danach bis 1990 die des stellvertretenden Vorsitzenden. Aufgrund seiner Verdienste um den DVM wurde er 1999 zum Ehrenmitglied des Vorstands ernannt. Im Jahr 2000 erhielt er für seine Leistungen auf dem Gebiet der Materialforschung und -prüfung die Erich-Siebel-Gedenkmünze.
Dietmar Aurich war ein begabter Bastler, auch in schwierigen Situationen konnte er mit wenigen Mitteln das Familienauto reparieren. Die Musik – insbesondere am Klavier – war für ihn sehr teuer; von seiner Bewunderung für Menahem Pressler und sein Beaux-Arts-Trio aber auch Jazz-Pianisten hat er mir häufig erzählt.
Von seinen zahlreichen Kollegen wurde Dietmar Aurich als zuverlässig, hilfsbereit und konstruktiv sehr geschätzt. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.
Pedro Dolabella Portella

Andrè Pineau, Ecoles des Mines de Paris, einer der bedeutendsten Werkstoffkundler von Frankreich, vielleicht sogar der bedeutendste, ist Anfang März 2024 von uns gegangen; wir sind sehr traurig über diesen Verlust.
In etwa 400 Veröffentlichungen widmete er sich Themen wie Nieder- und Hochtemperatur-Ermüdung, hauptsächlich von austenitischen Stählen, Verbundwerkstoffe, Kurzeit- und Langzeit-Schwingfestigkeit, Schadensmechanismen, Einfluss des Gefüges und Bruchmechanik. Seine Arbeiten hatten stets die industrielle Anwendung im Blickfeld, nicht nur die Stahlherstellung, sondern auch den Fahrzeug- und Eisenbahnbau, die Luft- und Raumfahrt. Deswegen wurde sein Rat und seine Mitarbeit in technischen Gremien der wichtigsten Industrien von Frankreich sehr geschätzt. Seine etwa 100 Doktoranden und Schüler prägen heute die französische Industrie mit Professuren und leitenden Stellen.
Neben den zahlreichen Auszeichnungen und Preisen erhielt er 1992 auch die Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Verbandes für Materialforschung als einer der wenigen Franzosen, nicht nur wegen seiner herausragenden wissenschaftlichen Verdienste, sondern auch wegen seiner unermüdlichen Förderung der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Wir bedauern den Verlust dieses sehr geschätzten Kollegen sehr und werden ihn stets in guter Erinnerung behalten.
C. M. Sonsino
Ein halbes Jahrhundert im Dienste von Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Stetig gestaltend, mit Besonnenheit und Geschick. Unterschiedliche Interessen und Gegensätze als Ansporn und Chance begreifend, um die daraus resultierende Spannung in schöpferische Energie umzuwandeln. Das war Erwin Sommer. Er verstarb mit 88 Jahren am 16. Juni 2024 im Kreise seiner Familie.
Hinter der ruhigen und sachlichen Art verbarg sich ein wahres Multitalent. Erwin Sommer wirkte zielstrebig auf vielen Ebenen des Wissenschaftsbetriebs. Mit der Einführung der Bruchmechanik aus den USA in den 60er Jahren in Deutschland, mit der Gründung des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg in den 70ern, mit einer Erfolgsgeschichte für das Zusammenwachsen von Ost und West in den 90ern, als in Halle ein zweiter Standort des Fraunhofer IWM aus der Taufe gehoben wurde und nicht zuletzt als Mitgestalter der Struktur der Fraunhofer-Gesellschaft.
Im Kern ein Physiker mit der Leidenschaft für die Entstehung und Vermeidung von Rissen und Brüchen übertrug er diese Leidenschaft auch auf Menschen und Organisationen in Sachen Kooperation, Vernetzung und Wissenschaft. Besonders am Herzen lag ihm die Förderung junger Menschen. Wollte man Handlungsmaximen herausstellen, so sind dies das sokratische Gespräch und die Beharrlichkeit, mit der er seine Ziele verfolgte.
Dem DVM war er seit Anfang der 60er Jahre auf Engste verbunden. Die Gratulationen zur Ehrenmitgliedschaft im DVM konnte er persönlich an seinem 87sten Geburtstag entgegennehmen. Die Universität Halle ehrte seine Verdienste um den Aufbau des Fraunhofer-Standorts Halle mit der Ehrendoktorwürde und er war Ehrenmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die größte Ehrung ist vermutlich das Andenken unzähliger Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen insbesondere aus dem Fraunhofer IWM in Freiburg und dem Fraunhofer IMWS in Halle an ihn als klaren Denker, tugendhaftes Vorbild und herzensguten Menschen, das ihm sicher sein wird.

Am 26. Juli 2025 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit Dr.-Ing. Andreas Beste in Ingolstadt im Alter von 79 Jahren.
Andreas Beste wurde am 17. Juni 1946 in Velmede im Sauerland geboren. Nach Schulausbildung und Wehrdienst absolvierte er von 1968 bis 1973 ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Darmstadt (heute TU Darmstadt). Direkt im Anschluss daran wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Timm Seeger am Fachgebiet Werkstoffmechanik, das sich im damaligen Institut für Statik und Stahlbau der TH Darmstadt im Ausbau befand.
Dort befasste er sich – im Rahmen des örtlichen Konzepts – mit dem Verformungs- und Lebensdauerverhalten von metallischen Werkstoffen unter zyklischer Belastung. Seine Kreativität konnte er sowohl in Konzeption und Aufbau von Versuchs- und Messeinrichtungen wie auch in der wissenschaftlichen Aufbereitung und Einordnung seiner Ergebnisse aufzeigen. Diese legte er 1981 in seiner Dissertation „Elastisch-plastisches Spannungs-Dehnungs- und Anrißverhalten in statisch und zyklisch belasteten Kerbscheiben – ein Vergleich zwischen experimentellen Ergebnissen und Näherungsrechnungen“ vor.
Bereits 1978 war er zur Siemens AG / KWU Mülheim gewechselt, wo er die Arbeitsgruppe Schwingfestigkeit im Bereich Technik Werkstoffe der Kraftwerkssparte leitete. Die Durchführung von Versuchen und die Entwicklung von Konzepten zur Auslegung und Lebensdauervorhersage von höchstbeanspruchten Bauteilen gehörten zu seinen Aufgaben. Er engagierte sich auch erheblich in Arbeitskreisen und vorwettbewerblichen Forschungsprojekten. Einen wesentlichen Beitrag leistete er im Rahmen eines Gemeinschaftsprogramms zur Betriebsfestigkeit von Turbogeneratorwellen unter Einwirkung von Störfällen.
Im Jahre 1981 wechselte Andreas Beste dann zu Audi in Ingolstadt, wo er seine berufliche Laufbahn in der Technischen Entwicklung bis zum regulären Rentenalter fortführte. In seiner Zeit als Referent und ab 1986 als Leiter Festigkeit verfolgte er intensiv einen Kurs, der die Auslegung auf eine systematische, statistisch belegte Erfassung und Verknüpfung von Belastung und Beanspruchbarkeit gründet. Der Transfer von der Straße in die experimentelle Simulation im Labor und in die rechnerische Festigkeitssimulation wurde von ihm nachdrücklich gefördert. Er erarbeitete Grundlagen und Nachweiskonzepte für Werkstoffe und Verbindungstechniken, die für den Einsatz von Aluminiumwerkstoffen in der Fahrzeugkarosserie und die zugehörigen spezifischen Bauweisen relevant sind.
Im Bereich der Lastanalyse initiierte er in einer Gemeinschaftsarbeit mit Daimler Benz ein umfassendes Programm, das in die Entwicklung der multiaxialen Rainflow-Analyse und Rekonstruktion mündete. Dieses Programm, dem später auch andere deutsche Automobilhersteller beitraten, wurde bei TECMATH Kaiserslautern bearbeitet und legte einen Grundstein für weitere Forschungsarbeiten, Lösungen und Anwendungen, die im Laufe der Jahre entstanden und der Fachwelt zur Verfügung gestellt wurden.
Ebenfalls im Rahmen einer Gemeinschaftsarbeit der deutschen Automobilindustrie trieb er ein umfangreiches Projekt zur Erfassung und Beschreibung von Fahrzeugbelastungen im realen Kundenbetrieb voran, das statistisch belastbare Erkenntnisse und Grundlagen für eine Fortschreibung und Zuschärfung von Auslegungsforderungen bereitstellte.
Andreas Beste legte eine Reihe von Veröffentlichungen und Tagungsbeiträgen vor, auch im Rahmen von DVM-Veranstaltungen. 1989 war er auf Seiten von Audi Initiator und „Gastgeber“ der jährlichen Tagung des DVM-Arbeitskreises Betriebsfestigkeit. Im Jahre 2002 wurde er als erster Preisträger mit dem Ernst-Gaßner-Award des Fraunhofer LBF Darmstadt „für herausragende Leistungen im Fachgebiet Betriebsfestigkeit“ ausgezeichnet.
Ab 2004 bis zum Ende seiner Berufslaufbahn im Jahre 2011 war er in der Technischen Entwicklung verantwortlich für die Homologation der Audi-Modelle und lernte damit noch einmal eine weitere wesentliche Facette der Automobilentwicklung intensiv kennen.
In seinem Berufs- wie auch im Privatleben war Andreas Beste das Miteinander mit den Menschen wichtig, die seinen Weg kreuzten und ihn begleiteten. Dieses Interesse führte ihn zunehmend dazu, sich intensiv mit psychologischen und spirituellen Grundlagen und Aspekten zu beschäftigen und sich auch in einem höheren Lebensalter immer wieder – auch in entsprechenden Fortbildungen – weiterzuentwickeln. Inspiriert von fernöstlichen Lebens- und Denkweisen war er daneben immer bestrebt, durch sportliche Aktivitäten und bewusste Ernährung neben der geistigen auch die körperliche Fitness möglichst lange zu erhalten. Selbst aus einer kinderreichen Familie stammend, war ihm seine Familie (sechs Kinder) immer ein zentrales Anliegen.
Ich werde Andreas Beste als zugewandten und hilfsbereiten Chef, Kollegen und – vor allem – guten Freund im Gedächtnis bewahren.
P. Heuler

Am 22. Januar 2026 verstarb plötzlich und unerwartet Professor Dr.-Ing. Timm Seeger im Alter von 89 Jahren.
Timm Seeger – Träger der Erich-Siebel-Gedenkmünze – wurde am 9. Mai 1936 in Berlin geboren. Die Schulausbildung bis zum Abitur absolvierte er im Ostsektor der Stadt. Um in der Bundesrepublik Deutschland studieren zu dürfen, musste er im Westen ein zweites Mal die Abiturprüfung ablegen. Er entschied sich nach ersten Erfahrungen in der Medizin für ein Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Hochschule Darmstadt (heute Technische Universität Darmstadt).
Direkt im Anschluss daran wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Statik und Stahlbau der TH Darmstadt. Dort hat er grundlagenorientierte experimentelle und theoretische Arbeiten zur Schwingfestigkeit von Konstruktionselementen des Stahlbaus sowie von Schweißverbindungen maßgebend durchgeführt. Dabei ist er zur Überzeugung gelangt, dass für allgemeine Beanspruchungsverläufe letztlich nur auf Basis der lokalen Beanspruchungsgeschichte im relevanten Element eines Bauteils eine Festigkeitsaussage zu gewinnen ist. Im Jahr 1967 stellte er eine Methodik vor, nach der die Anrisslebensdauer nach dem Örtlichen Konzept und die Rissfortschrittslebensdauer mit der Schwingbruchmechanik zu berechnen war. Früh hat er die Bedeutung der Bruchmechanik für die Auslegung von Bauteilen erkannt.
Um eine werkstoffmechanisch fundierte Betrachtungsweise in die Anwendung zu bringen, hat er Näherungsverfahren zur Berechnung von Kerbbeanspruchungen bei nichtlinearem Spannungs-Dehnungs-Verhalten des Werkstoffs entwickelt und experimentell überprüft. Die auf bruchmechanischer Basis abgeleitete Formel nach Seeger und Beste wird auf immer mit seinem Namen verbunden sein.
Nach Abschluss seiner Dissertation im Jahr 1972 und einer anschließenden Dozententätigkeit im Fach Stahlbau wurde Timm Seeger in Jahr 1976 zum Professor für Werkstoffmechanik und Leiter des gleichnamigen, neu gegründeten Fachgebiets ernannt. In dieser Position hat er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 viele weitere Arbeiten angeregt und durchgeführt.
Die betrachteten Risslängen wurden immer kürzer, die Beanspruchungssituationen immer komplexer bis hin zu nichtproportional mehrachsigen, örtlichen Beanspruchungen. Vereinheitlichung im Konzeptionellen unter Beachtung der Grenzfälle war immer sein Anliegen. Der Übertragbarkeit von am Werkstoff gewonnener Erkenntnis zur Beschreibung des Bauteilverhaltens hat er große Aufmerksamkeit gewidmet. Größen-, Oberflächen- und Randschichteigenschaften wurden auf mechanismenorientierter Basis erfasst.
Ein besonderes Anliegen war ihm die Festigkeit von Schweißverbindungen. Seine Ausführungen hierzu sowie zu Betriebsfestigkeitsnachweisen auf der Basis unterschiedlicher Konzepte wurden im Stahlbau-Handbuch niedergelegt. Darüber hinaus hat er die Umsetzung theoretischer Erkenntnisse in tragfähige Konzepte zur praktischen Anwendung in seinen Beiträgen zur Erstellung der ersten Richtlinien des Forschungskuratoriums Maschinenbau eingebracht. Die Methoden, die er aus seinen Forschungsergebnissen entwickelt hat, sind inzwischen zum Stand der Technik geworden – mehr kann ein Ingenieurwissenschaftler kaum erreichen.
Professor Seeger hat eine bedeutende wissenschaftliche Bilanz vorgelegt. Die hohe Wertschätzung seiner Kollegen wurde ihm durch die Verleihung der Erich-Siebel-Gedenkmünze durch den Deutschen Verband für Materialforschung und -prüfung (DVM) im Jahr 2001 zum Ausdruck gebracht. In seiner Dankesrede sagte er, dass er den DVM als seine wissenschaftliche Heimat betrachte. Über Jahrzehnte hatte er sich mit Vorträgen und Diskussionsbeiträgen intensiv in den Arbeitskreisen Bruchvorgänge und Betriebsfestigkeit engagiert. Er hat für viele Kollegen und für seine wissenschaftlichen Mitarbeiter als Vorbild gewirkt, vielleicht ein Grund dafür, dass viele seiner Schüler im DVM aktiv waren und sind.
Professor Seeger hatte seine Erfolge auch seiner überragenden Fähigkeit zur Motivation seiner Mitarbeiter, einer stets vorgelebten beruflichen Einsatzfreude und einer allseits anerkannten menschlichen und fachlichen Redlichkeit zu verdanken. Er war ein großer Verfechter der Wissenschaftsfreiheit, respektive überhaupt der Freiheit. Diese Freiheit zu nutzen, hat er selbstverständlich von seinen Mitarbeitern erwartet. Die Diskussion über Begrifflichkeiten und Forschungsergebnisse konnten sich ziehen, bis die Sachverhalte geklärt, die Hypothesen überprüft und die Grenzfälle nahtlos eingearbeitet waren. Genauigkeit ging immer vor Schnelligkeit. Eine 98%-ige Lösung war einfach nur falsch.
Professor Seeger war ein Menschenfreund, seinen Mitmenschen immer zugetan. Alle, die ihn noch persönlich kennenlernen durften und insbesondere seine Schüler, werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.
Michael Vormwald